Kinderrechte im Zeichen von Janusz Korczak

Der zweite Tag der Internationalen Pädagogischen Werktagung stand im Zeichen des Humanisten, Schriftstellers, Pädagogen und Kinderarztes Janusz Korczak (1878-1942). Er gilt als „Vater der Kinderrechte“ und setzte sich energisch für grundlegende Rechte ein, die Kindern zugestanden werden müssen. Die Erziehungswissenschafter Andreas Paschon und Michael Winkler begaben sich in ihren Vorträgen auf die Spuren Korczaks.

Andreas Paschon stellte in seinem Vortrag das Leben und Werk von Janusz Korczak dar und übertrug seine Ansätze auf konkrete Projekte in der Gegenwart. „Kinder haben nicht immer recht, aber Kinder haben immer Rechte!“, war Janusz Korczak überzeugt. Ein Faktencheck zur Umsetzung der Kinderrechte, wie sie die UN-Kinderrechtskonvention definiert, fällt allerdings ernüchternd aus. Mangelernährung, hohe Kindersterblichkeitsraten, Kinderarbeit, sexueller Missbrauch – statistische Zahlen verstören und lassen zudem eine hohe Dunkelziffer befürchten. Korczaks Verständnis von Erziehung war es, jedes Kind in seiner Individualität zu respektieren und ihm das Recht zuzugestehen, so zu sein, wie es ist. Mit seinem Buch „Das Recht des Kindes auf Achtung“ bereitete er schon 1929 den Weg für die sechs Jahrzehnte später verabschiedete UN-Konvention über die Rechte des Kindes. Grundpfeiler seiner Pädagogik sah Korczak darin, mit den Kindern zu fühlen, sie zu begleiten statt zu bevormunden, sie – und auch die Erziehenden – aus Fehlern lernen zu lassen und in hohem Maße zu beobachten und zu reflektieren. Diesen stark partizipativen Ansatz sieht Paschon unter anderem in Projekten wie der Kinderstadt MiniSalzburg verwirklicht, wo Kinder Verantwortung übernehmen dürfen und ihre Welt aktiv mitgestalten können.

Michael Winkler beleuchtete die pädagogische Theorie, die Korczaks Handeln und Überzeugungen zugrunde liegt. Vor rund 100 Jahren forderte Korczak die Magna Charta Libertatis – ein Grundgesetz für das Kind. Drei Grundrechte kristallisierten sich dabei heraus: Das Recht des Kindes auf seinen eigenen Tod, das Recht auf den heutigen Tag und das Recht darauf, so zu sein, wie es ist. Die Aufgabe der Eltern und Erziehenden liege darin, bei der Verleihung dieser Rechte möglichst wenig Fehler zu machen. Dafür müssen sie sich mit der Welt der Kinder vertraut machen, gleichzeitig aber für ausreichend Distanz sorgen. Janusz Korczak plädierte für möglichst wenig Intervention in der Entwicklung des Kindes, was mitunter als Antipädagogik missgedeutet wird. Vielmehr machte sich Korczak dafür stark, dass Erziehung den individuellen Lebenssituationen von Kindern gerecht wird, dass Kinder nicht objektiviert und optimiert werden, sondern als freie, eigenständige Lebewesen wahrgenommen und als solche altersgerecht in ihrer Entwicklung unterstützt werden. Eltern sollten dazu animiert werden, die Eigenständigkeit ihres Kindes zu achten und ihren Blick auf sein individuelles Wesen zu lenken.

C.K., Juli 2017

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