Kinderrechte auf Beziehungsebene und im juristischen Kontext

Am dritten Tag der Internationalen Pädagogischen Werktagung referierten die Erziehungswissenschafterin Annedore Prengel und die Leiterin der Kinder- und Jugendanwaltschaft Salzburg, Andrea Holz-Dahrenstaedt. Kinderrechte wurden aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, trotzdem fanden sich grundlegende Übereinstimmungen und Gemeinsamkeiten.

„Wir entwickeln uns in Beziehungen“, machte Annedore Prengel den hohen Stellenwert von tragfähigen sozialen Verbindungen deutlich. Von Geburt an leben wir in Beziehungen, als Kinder seien wir sogar vollständig darauf angewiesen. Trennungen, Isolation, Nicht-dazugehören hingegen seien schmerzhaft. Speziell im erzieherischen Umfeld sei ein wertschätzendes, achtsames Miteinander unverzichtbar. „Liebevolle Zuwendung ist für Bildungsprozesse von zentraler Bedeutung. Die Qualität unserer Beziehung zu einer Sache ist immer mitbestimmt durch die Qualität der Beziehung zu der Person, die uns diese Inhalte vermittelt.“ Prengel stellte das Konzept der „Caring Communities“ vor, wo Schulen sich als fürsorgliche Gemeinschaft präsentieren, wechselseitige Anerkennung herrscht und ein verlässlicher Boden für das konstruktive Aufarbeiten von Konflikten geschaffen wird. Kinderrechte würden dort in all ihren Schutz-, Förder- und Beteiligungsaspekten realisiert. PädagogInnen könnten in ihrem eigenen Umfeld damit beginnen, Akzente zu setzen und damit nachhaltig pädagogische Beziehungen verbessern: „Dabei geht es nicht um Perfektion, aber darum, dass pädagogische Beziehungen genügend gut gelingen.“

Andrea Holz-Dahrenstaedt
stellte in ihrem Vortrag zuerst die Kinder- und Jugendanwaltschaft (kija) mit ihren Arbeitsfeldern vor. Die kija versteht sich in erster Linie als Sprachrohr für Kinder und Jugendliche, ist leicht und unentgeltlich zugänglich und stellt Heranwachsende mit ihren Anliegen in den Mittelpunkt. „Kinderrechte sind nur so gut, wie sie auch tatsächlich gelebt werden“, gab Holz-Dahrenstaedt zu bedenken und veranschaulichte anhand internationaler Studien, mit welchen Problemen Kinder weltweit zu kämpfen haben. In Industriestaaten wie Österreich seien Kinder zwar meist mit anderen Herausforderungen konfrontiert, die Gefährdung für ihre Gesundheit und Entwicklung sei aber genauso ernst zu nehmen. Unsere Lebensweise hinterlasse Spuren und mache sich in der Gesellschaft durch übertriebenes Leistungsdenken, Stress, Umweltzerstörung, Leben auf Kosten anderer und Entsolidarisierung bemerkbar. „Soziale Netze werden brüchiger und produzieren viele ‚abgehängte Kinder‘“, so Holz-Dahrenstaedt. Hier gelte es, mit vielfältigen Maßnahmen, wie zum Beispiel Armutsbekämpfung, der Stärkung von Familien oder Gewaltprävention, anzusetzen und den Kinderrechten mehr Gewicht zu verleihen. Wie ihre Vorrednerin betonte die Juristin, dass bereits eine einzelne engagierte Lehr- oder Bezugsperson einen großen Unterschied im Leben eines Kindes ausmachen könne.

C.K., Juli 2017

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