68. Internationale Pädagogische Werktagung zum Thema „Geborgenheit finden“ eröffnet

Geborgenheit finden in den Armen eines anderen Menschen, im Glauben, in einer Gemeinschaft – Pädagoginnen und Pädagogen sehen sich in ihrer Arbeit mit der menschlichen Ursehnsucht nach Schutz und Wärme konfrontiert und sind ständig gefordert, ein Umfeld zu schaffen, in dem Kinder und Jugendliche geborgen heranwachsen können. Mit den vielen Facetten der Geborgenheit im Zusammenhang mit Erziehung beschäftigt sich die 68. Internationale Pädagogische Werktagung Salzburg vom 10. bis 12. Juli 2019.

Zur Eröffnung der Tagung fanden sich zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche und Politik ein, um gemeinsam in das Thema Geborgenheit einzutauchen. Erzbischof Franz Lackner skizzierte in seinen Grußworten das Spannungsfeld zwischen dem Menschen in seiner Einzigartigkeit und seinem gleichzeitigen Streben nach einem Gegenüber, schließlich einer letzten Instanz. „Das macht den Menschen zu einem religiösen Wesen“, interpretiert der Erzbischof die Sehnsucht nach Geborgenheit. Im Namen von Land und Stadt Salzburg begrüßten Landtagsabgeordnete Michaela Eva Bartel und Stadträtin Anja Hagenauer die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Michaela Eva Bartel reflektierte die menschliche Suche nach Geborgenheit und hinterfragte die Auswirkungen der digitalen Welt und sozialer Medien auf das Selbstverständnis Heranwachsender. Wie ein Mensch durch andere wahr- und angenommen wird, würde in Zeiten von Likes und Followern zunehmend quantifizierbar und bedenklichen Druck ausüben. Anja Hagenauer nahm die Rolle von Krisenpflegeeltern in den Blick, die „Kindern Geborgenheit vermitteln, die zuvor in die Welt ‚geworfen‘ wurden“, abgelegt etwa in Babyklappen, und keinen Schutz durch ihre leiblichen Eltern erfahren durften. Ihr Anliegen ist es, diese notwendige Hilfestellung auszubauen.

Eröffnungsredner Joachim Bauer machte dem Publikum aus neurobiologischer Sicht eindrücklich bewusst, dass Geborgenheit viel mehr sei als nur „heiße Luft“. „Geborgenheit mag weich und altmodisch anmuten, sie hat aber eine große Wucht“, so der Bestsellerautor. Was in der frühkindlichen Entwicklung passiert, habe Auswirkungen auf die Aktivität unserer Gene und das erlebte Gefühl von Schutz und Geborgenheit spiele hier eine bedeutende Rolle. „Unsere Gene sind die Klaviatur, auf der unsere soziale Umwelt spielt“, verdeutlicht Bauer. Die „Selbstnetzwerke“, die das Wesen eines Menschen definieren, müssen sich beim Säugling erst entwickeln. Die Kommunikation mit Neugeborenen passiert daher über Resonanz – die neuronalen Systeme des Kindes reagieren auf die Signale seines Gegenübers und umgekehrt. Nur wenn diese Phase durch Geborgenheit, Wohlwollen und eine positive Tonalität geprägt ist, lernt der Säugling, dass er angenommen und erwünscht ist. Studien zeigen, dass liebevolle Fürsorge das Gehirnwachstum fördert und der Mensch als „soziales Tier“ sehr früh die Qualität der sozialen Beziehungen wahrnimmt, in denen er sich gerade befindet. Das wichtigste sei, Kindern in allen Altersstufen zu vermitteln: „Ich sehe dich.“ Nicht verwechselt möchte der Neurowissenschafter diese Haltung allerdings mit dem Verwöhnen wissen: „Verwöhnen ist das Gegenteil von Gesehenwerden.“ Den anwesenden Erziehenden gibt Bauer mit auf den Weg, durch ihre volle Präsenz, Leidenschaft und überzeugte Wertehaltung in den Kindern positive Resonanz auszulösen und sie in ihrer Entwicklung zu begleiten – auch bis in die Pubertät, wenn die Qualität der Beziehung von „sieh mich, bleib mir zugewandt“ meist erweitert wird um den Aspekt „leide an mir“.

Die 68. Internationale Pädagogische Werktagung zum Thema "Geborgenheit finden" wird veranstaltet vom Katholischen Bildungswerk Salzburg in Kooperation mit der Caritas Österreich und der Universität Salzburg. Die Tagung läuft noch bis einschließlich Freitag, 12. Juli 2019 in der Großen Universitätsaula (Max-Reinhardt-Platz, Salzburg). Details zum Programm und weitere Informationen erhalten Sie unter www.bildungskirche.at/Werktagung sowie unter Tel. +43 676 8746-7510. Einzelkarten für die Hauptvorträge sind an der Tageskasse im Foyer erhältlich.

 

 

Fotos:
Geborgenheit finden: Die Hauptvorträge finden in der Großen Universitätsaula am Max-Reinhardt-Platz statt.
Ehrengäste: v.l. MMag. Bernd Wachter (Generalsekretär Caritas Österreich), Univ.-Prof. Dr. Joachim Bauer, Univ.-Prof. Dr. Heinrich Schmidinger (Rektor Universität Salzburg), Andreas Gutenthaler (Direktor Katholisches Bildungswerk Salzburg), Michaela Eva Bartel, Univ.-Prof. Dr. Anton A. Bucher (Präsident Internationale Pädagogische Werktagung), Dr. Franz Lackner, Mag. Anja Hagenauer, Dr. Wilhelm Krautwaschl (Bischof der Diözese Graz-Seckau, in der österreichischen Bischofskonferenz unter anderem zuständig für Bildung)
Bildquelle: Katholisches Bildungswerk Salzburg


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